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Sail-Kolumne

17.03.2009

Ein Jubiläum mit „Wagemut“

Das Jahr 2009 ist überaus reich an Jubiläen: Der 250. Geburtstag Friedrich Schillers, der 200. von Felix Mendelssohn Bartholdy, der 250. Todestag von Georg Friedrich Händel, 90 Jahre Bauhaus, 20 Jahre Fall der Berliner Mauer und viele mehr. Manche Jubiläen sind fast Selbstläufer und kommen mitunter inflationär daher, so dass der eine z.B. beim Verzehr einer in Halle an der Saale neu kreierten Händel-Praline denkt. „Schon wieder Händel …“.

Andere Jubiläen müssen „hart erarbeitet“ werden. Dazu gehören Aktionen rund um „750 Jahre Wendisches Quartier“. Am 6. September 1259 wurde durch Ratssendeboten aus Lübeck, Rostock und Wismar ein Beistandspakt zum Schutz ihrer Kauf- und Seeleute vor Straßen- und Seeräubern gegründet. Das „Wendische Quartier“ gilt heute als Kern der Städtehanse.

Der Mythos der Hanse ist in unserer Zeit überaus präsent und reicht von unzähligen Firmenbezeichnungen entlang der Ost- und Nordsee-Küste bis zur mahnenden Erinnerung, sich wieder stärker an solche Werte der Hansezeit wie „Weltbürgerlichkeit“, „Wagemut zur sprengenden Tat“ und „geschäftliche Vertrauenswürdigkeit“ (Thomas Mann) zu besinnen. Und so bietet nicht nur die beeindruckende „750“ Anlass für ein angemessenes Gedenken, sondern das ist ein Jubiläum mit historischer und aktueller Substanz.

Wie begehen wir solch einen außergewöhnlichen Jahrestag? Natürlich mit publikumswirksamen Aktionen, wie einer nachgestellten Seeschlacht im Wismarer Hafen am 5. September, in der, wie es in einer Pressemitteilung der „Hansekontor Wismar GmbH“ heißt, „Koggen aus allen Städten gemeinsam Wismar verteidigen und die Piraten besiegen“. In der Hansestadt Wismar findet vom 3. bis 6. September 2009 auch das zentrale Hansejubiläum statt. Unter anderem mit einem Koggentreffen, bei dem bekannte Koggen, wie die LISA v. LÜBECK oder die WISSEMARA „mittelalterliche“ Törns anbieten.

Diese Jubiläumstage sind auch der Rahmen für den „IV. Internationalen Backsteinbau-Kunstkongress“, ein Benefizkonzert in der St. Nikolaikirche, ein Hansemahl in St. Georgen, einen Seemannsgottesdienst in Kirchdorf auf Poel oder wissenschaftliche Vorträge von Prof. Dr. Hammel-Kiesow (Lübeck), Dr. Nils Jörn (Wismar) und Dr. Günter Krause (Rostock). Summa summarum ist das ein bemerkenswertes Programm, das diesem Jubiläum angemessen ist.

Bemerkenswert ist aber auch etwas anderes. Zu oft werden in unseren krisengeschüttelten Tagen Ideen, Vorschläge und Visionen schnell abgetan und sie verlaufen im Sande. „Kein Geld, keine Zeit, keine Lust“... Nun kann man sich darüber streiten, ob die Organisation von Jubiläen bei leeren Kassen „Wagemut“ erfordert und sie eine „sprengende Tat“ ist. Zumindest ist eine starke Motivation und Beharrlichkeit notwendig, um die Widerstände, die auch bei diesem Projekt am Anfang da waren, zu überwinden. Inzwischen ist eine erfreuliche Kettenreaktion entstanden. Dazu gehören Broschüren, Ausstellungen oder eine Hanse-Bildungsreise von Rostocker und Wismarer Bürgern nach Lübeck am 5. und 6. Mai 2009.

Den Anschub dieser Kettenreaktion haben Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling, Holger Bellgardt als Hanse-Sail-Chef und Dr. Wolfgang Fritz Müller gemeinsam mit Hanse-Enthusiasten wie Dr. Klaus-Jürgen Pede aus Wismar wesentlich mit bewirkt.

Und es blieb und bleibt nicht nur bei dem Rostocker Impuls, sondern aus dem Hanse-Sail-Büro kommen praktische und schöne Aktionen. Wie z.B. das Basteln von je 750 Papierkoggen von Schülern und Junggebliebenen für Wismar und Lübeck. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Koggen wird ein Segeltörn für Kinder und Jugendliche organisiert, die sich normalerweise dieses Erlebnis nicht leisten können. In Abwandlung zu dem bekannten Satz „Der Weg ist das Ziel“ kann man hier durchaus sagen „Die Organisation des Jubiläums selbst ist ein Beitrag zu einem modernen Hansegeist.“

Klaus-Dieter Block

Information
Ansprechpartner im Hanse-Sail-Büro Rostock im Zusammenhang mit „750 Jahre Wendisches Quartier“ ist Dr. Wolfgang Fritz Müller, Telefon (0381) 208 52-23.